Forschung

Laufende Forschung

Fertilität und Familiendynamiken im Lebenslauf internationaler Migranten

In der sozio-demographischen Forschung zu Familiendynamiken von internationalen Migranten konzentriert sich der Großteil der Arbeiten auf jeweils einen demographischen Prozess. Quantitativ große Aufmerksamkeit hat die Partnerwahl als einer der klassischen Indikatoren für soziale und strukturelle Integration erhalten. In der Demografie findet sich – verständlicherweise – ein Interesse an Fertilität, das durch die Lebenslaufforschung unterstützt wird. Allerdings wurde den weiteren Familiendynamiken und daraus erwachsenden Vulnerabilitätsrisiken bisher relativ wenig Aufmerksamkeit zuteil. Genannt sei hier das Scheidungsverhalten inklusive daraus resultierender Problemlagen wie alleinerziehende Elternschaft, Arbeitsmarktintegration insbesondere von Frauen und Wiederverpartnerung. Diese Themen werden aus einer Intersektionalitätsperspektive betrachtet.

Publikationen:

  • Kulu, H., Milewski, N., Hannemann, T., & Mikolai, J. (im Erscheinen). A Decade of Life-course Research on Fertility of Immigrants and Their Descendants in Europe. Demographic Research.
  • Carol, S., & Milewski, N. (im Erscheinen). Abortion. In: Possamai, A. (Ed.): The SAGE Encyclopedia of Sociology of Religion. Sage.
  • Milewski, N., & Mussino, E. (2018). New aspects on migrant and minority populations in Europe: Norms, attitudes, and intentions in fertility and family planning. Comparative Population Studies, 43 (im Erscheinen).
  • Baykara-Krumme, H., & Milewski, N. (2017). Fertility patterns among Turkish women in Turkey and abroad: the impact of international mobility, migrant generation, and family background. European Journal of Population 33, (3), 409-436.
  • Milewski, N., & Huschek, D. (2015). Union formation of Turkish migrant descendants in Western Europe: Family involvement in meeting a partner and marrying. In: Milewski, N.; Sirkeci, I.; Yücesahin, M.M., Rolls, A. (Eds.): Family and human capital in Turkish migration. London: Transnational Press, 11-23.
  • Milewski, N. (2013). Einführung in das Schwerpunktthema Türkische Familien in Deutschland – Generationenbeziehungen und Generationenperspektiven. Zeitschrift für Familienforschung, 25(1), 3-8.
  • Hamel, C., Huschek, D., Milewski, N., & de Valk, H. (2012). Union formation and partner choice. In: Crul, M.; Schneider, J.; Lelie, F. (Eds.): The European second generation compared: Does the integration context matter? Amsterdam, Chicago: Amsterdam University Press, 225-284.
  • de Valk, H.A.G., & Milewski, N. (2011). Family life transitions among children of immigrants: An introduction. Advances in Life Course Research, 16(4), 145-151. doi: dx.doi.org/10.1016/j.alcr.2011.10.001.
  • Milewski, N. (2011). Transition to a first birth among Turkish second-generation migrants in Western Europe. Advances in Life Course Research, 16(4), 178-189. doi: dx.doi.org/10.1016/j.alcr.2011.09.002.
  • Milewski, N., & Hamel, C. (2010). Union formation and partner choice in a transnational context: The case of descendants of Turkish immigrants in France. International Migration Review, 44(3), 615-658. doi: 10.1111/j.1747-7379.2010.00820.x.
  • Milewski, N. (2010). Immigrant fertility in West Germany: Is there a socialization effect in transitions to second and third births? European Journal of Population, 26(3), 297-323.
  • Kulu, H., & Milewski, N. (2007). Family change and migration in the life course: An introduction. Demographic Research, 17(19), 567–590. www.demographic-research.org/Volumes/Vol17/19/17-19.pdf.
  • Milewski, N. (2007). First child of immigrant workers and their descendants in West Germany: Interrelation of events, disruption, or adaptation? Demographic Research, 17(29), 859–896. http://www.demographic-research.org/Volumes/Vol17/29/17-29.pdf.
Familie und Genderrollen

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen. Einerseits interessieren hier Wechselwirkungen mit Familiendynamiken, andererseits aber auch die Auswirkungen von intergenerationalen Bezügen insbesondere für Migrantinnen aus einer Lebenslaufperspektive, bei der zum Beispiel auch andere Familienmitglieder zu berücksichtigen sind (linked lives). In den Studien findet sich konsistent ein kumulativer Nachteil für Frauen mit Migrationshintergrund, der beispielsweise durch alleinerziehende Elternschaft oder höheres Alter noch verstärkt wird. Unterschiede zwischen den Migrantengenerationen zeigen sich insofern, als dass vor allem über den Mittler Bildung Anpassungsprozesse zu beobachten sind. Bemerkenswert ist, dass Unterschiede nach Herkunftsgruppen bestehen bleiben, was teils möglicherweise auf eine Tradierung der Genderrollen zurückzuführen ist, teils auf eine noch in den Folgegenerationen bestehende Benachteiligung, obwohl die Bildungsbeteiligung in den Nachkommengenerationen im Vergleich zur ersten steigt.

Publikationen:

  • Milewski, N., Struffolino, E., & Bernardi, L. (2018). Migrant status and lone motherhood – Risk factors of female labour force participation in Switzerland. In: Bernardi, L., & Mortelmans, D. (Eds.): Lone parenthood in the life course. Cham: Springer, 141-163.
  • Milewski, N., & Ehlers, H. (2015). Migration – Geschlecht – Lebenswege. Zur Einführung. Ehlers, H., Kalisch, C., Linke, G., Milewski, N., Rudlof, B., & Trappe, H. (Hg.). Migration – Geschlecht – Lebenswege. Sozial- und geisteswissenschaftliche Beiträge. Berlin: LIT, 9-23.
  • Milewski, N. (2013). Erwerbsbeteiligung und Einstellungen zur Familie von türkischen Migrantinnen im Generationenvergleich. Zeitschrift für Familienforschung, 25(1), 53-74.
Kulturelle Assimilation/ Lebenslauf und Familie

Um demographisches Verhalten und Prozesse der strukturellen Integration in einem multikulturellen Kontext verstehen zu können, bedarf es auch der Berücksichtigung ihrer sozialen Einbettung, was auch Werte und Einstellungen beinhaltet. Insbesondere Genderrollen(-einstellungen) scheinen für Unterschiede zwischen Herkunftsgruppen Erklärungskraft zu besitzen (Trennungsverhalten, female laborforce participation). Vor dem Hintergrund der steigenden religiösen Vielfalt in Westeuropa bzw. in Deutschland ist es erstaunlich, wie wenig Forschung zu sozio-demographischen Fragestellungen eine religiöse Praxis einbezieht (allerdings ist es angesichts der spärlichen Datenlage nicht überraschend). Studien aus diesem Projekt zeigen, dass Religiosität vor allem bei spezifischen Lebenslaufereignissen und bei Fragen von existenzieller Tragweite (etwa Schwangerschaftsabbruch) Bedeutung erfährt, während Religiosität bei Fragen der strukturellen Integration (etwa Arbeitsmarktbeteiligung) kaum einen zusätzlichen Erklärungsgehalt zu Genderrollen(-einstellungen) in der Konnotation mit Bildung zu haben scheint.

Publikationen:

  • Milewski, N., & Carol, S. (2018). Attitudes toward abortion for medical and non-medical reasons among the Turkish second generation in Europe – The role of the family and societal contexts. Comparative Population Studies, 43, 307-342. http://www.comparativepopulationstudies.de/index.php/CPoS/article/view/317.
  • Haug, S., & Milewski, N. (2018). Women’s attitudes towards assisted reproductive technologies – a pilot study among migrant minorities and non-migrants in Germany. Comparative Population Studies, 43, 343-370. http://www.comparativepopulationstudies.de/index.php/CPoS/article/view/319/276.
  • Carol, S., & Milewski, N. (2017). Attitudes toward abortion among the Muslim minority and non-Muslim majority in cross-national perspective: can religiosity explain the differences? Sociology of Religion A Quarterly Review, 78(4), 456-491. doi.org/10.1093/socrel/srx015.
  • Milewski, N., & Otto, D. (2017). The presence of a third person in face-to-face interviews with immigrant descendants: Patterns, determinants, and effects. In: Bolzman, C., Bernardi, L., Le Goff, J.M. (Eds.). Situating children of migrants across borders and origins: A methodological overview. Dordrecht: Springer, 77-96. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-94-024-1141-6_4.
  • Milewski, N., & Otto, D. (2016). The importance of a religious funeral ceremony among Turkish immigrants and their descendants in Germany: what role do socio-demographic characteristics play? Journal of Intercultural Studies, 37(2), 162-178. doi: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/07256868.2016.1141760.
Exogame Partnerschaften mit Zugewanderten

Das Projekt befasst sich mit exogamen Partnerschaften in Deutschland. Eine gemischte Partnerwahl gilt seit den Anfängen der Assimilationsforschung als einer der wichtigsten Indikatoren für die strukturelle und soziale Integration von Migranten – jedoch ist bisher wenig über die Seite der Aufnahmegesellschaft bekannt. Die Zielsetzung dieses Projektes ist die empirisch-quantitative Analyse zeitlicher Trends einer gemischten Partnerwahl, ihrer Determinanten und Auswirkungen auf weitere Familiendynamiken und Prozesse der strukturellen Integration. Auf Basis von verschiedenen Datenquellen mit Individual- und Haushaltsdaten sollen multivariate Analysen durchgeführt werden, die sowohl Ehen als auch nichteheliche Lebensgemeinschaften umfassen. Zudem soll die Rolle soziodemografischer Faktoren, vor allem der Bildung, der interkulturellen Distanz und des Migrationsstatus untersucht werden, um Unterschiede innerhalb der Nichtmigranten- und Migrantengruppen und im Vergleich zu endogamen Partnerschaften zu erklären. Mit diesem Wissen sollen theoretische Konzepte Integrationsverläufen um die Perspektive der Nichtmigranten/ der Aufnahmegesellschaft erweitert werden.

Das Projekt "Exogame Partnerschaften mit Zugewanderten in Deutschland: Trends, Determinanten und Auswirkungen" wird durch das Kurt von Fritz-Wissenschaftsprogramm des Landes Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2017 bis 2020 gefördert.

Publikationen:

Wellbeing, Gesundheit und Morbidität im Migrationskontext

Das Projekt beschäftigt sich mit Lebenslaufereignissen und Gesundheit/Morbidität in der zweiten Lebenshälfte, um langfristige Auswirkungen einer internationalen Migration auf den Lebenslauf abzuschätzen sowie um zu untersuchen, ob soziale Ungleichheiten im Alter (z.B. nach Migrationshintergrund) weiter zunehmen. So zeigen sich auch im höheren Alter und nach Aufenthaltsdauern von über 25 Jahren Nachteile in der mentalen Gesundheit von Migranten in Deutschland, was die Hypothese eines Exhausted-migrant-Effektes stützt. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede nach Migrationsgrund: Personen, die als Asylbewerber nach Deutschland kamen, schätzen ihre mentale Gesundheit als schlechter ein als andere Zuwanderer.

Publikationen:

  • Milewski, N., & Doblhammer, G. (2015). Mental health among immigrants: Is there a disadvantage in later life? In: Doblhammer, G. (Ed.): Health among the elderly in Germany: New evidence on disease, disability and care need. Series on Population Studies by the Federal Institute for Population Research, Vol. 46, Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, 191-212.
  • Carnein, M., Milewski, N., Doblhammer, G., & Nusselder, W.J. (2015). Health inequalities of immigrants: Patterns and determinants of health expectancies of Turkish migrants living in Germany. In: Doblhammer, G. (Ed.): Health among the elderly in Germany: New evidence on disease, disability and care need. Series on Population Studies by the Federal Institute for Population Research, Vol. 46, Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich, 157-190.
  • Milewski, N., & Peters, F. (2014). Too low or too high? On birthweight differentials of immigrants in Germany. Comparative Population Studies, 39(1), 3-22. http://www.comparativepopulationstudies.de/index.php/CPoS/article/view/144.
Mediale Repräsentation von Migranten

Mediale Repräsentation von Migranten

Publikationen:

  • Milewski, N., & Langer, C. (2015). Der deutsche Zeigefinger der Gleichberechtigung? Zu Genderdarstellungen in der TV-Spielfilmreihe „Mordkommission Istanbul“. In: Ehlers, H., Kalisch, C., Linke, G., Milewski, N., Rudlof, B., & Trappe, H. (Eds.). Migration – Geschlecht – Lebenswege. Sozial- und geisteswissenschaftliche Beiträge. Berlin: LIT, 253-275.
Gender, Status und (Un)Sichtbarkeit in den Sozialwissenschaften

Dieses gemeinsam mit Prof. Heike Trappe durchgeführte Projekt widmet sich am Beispiel der renommiertesten deutschsprachigen soziologischen Fachzeitschriften (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Zeitschrift für Soziologie) der Untersuchung ihrer Publikationspraxis im Zusammenhang mit Geschlecht, Status und dem Anteil „unsichtbarer“ Arbeit. Hintergrund unseres Interesses ist die allseits wahrnehmbare Veränderung der Rahmenbedingungen (sozial)wissenschaftlichen Arbeitens. Zeitlich parallel mit dem Anstieg des Frauenanteils auf allen Hierarchieebenen hat sich zum Beispiel die zeitliche Beanspruchung durch administrative Tätigkeiten erhöht, ist der Umfang wissenschaftlicher Serviceleistungen (z.B. Evaluationen) gestiegen und die Gremienarbeit hat sich verändert. Auf Basis der Analyse eines selbst erstellten Datensatzes werden folgende Frage adressiert: Geht die Zunahme des Frauenanteils in den Sozialwissenschaften mit einer Erhöhung ihrer Sichtbarkeit, gemessen an Publikationen und Herausgeberschaften, einher? Gibt es geschlechtsspezifische Publikationspraxen (z.B. Alleinautorenschaft, Konstellation mit Vorgesetzten)? Leisten Frauen einen überproportional hohen Anteil an „unsichtbarer“ Arbeit (operationalisiert als Begutachtung von Fachaufsätzen)? Gibt es Veränderungen im Verlauf der letzten 20 Jahre und Unterschiede zwischen den beiden Zeitschriften?

Abgeschlossene Forschung

Fertility of immigrants. A two-generational approach in Germany.

This book examines fertility patterns of post-war labor migrants and their descendants in Germany. It includes an introduction to the post-war migration history of Germany and a thorough review of the international literature on fertility of migrants and cultural sub-groups. The author uses data from the German Socio-economic Panel Study and applies event-history techniques to test a set of competing hypotheses derived from the literature. The analysis finds evidence for the effects of adaptation, socialization and composition, as well as for an interrelation of events. It does not however find evidence for a disruptive influence of migration on childbearing behavior. The book shows the advantages of a longitudinal research design over the conventional cross-sectional approach and sets a new standard for research on the fertility of international migrants and their descendants in western European receiving societies.