Forschung

Laufende Forschung

Märkte des Besonderen.

In diesem Projekt soll unter Rückgriff auf die Ergebnisse des Vorgängerprojekts »Religionshybride« das »erweiterte religiöse Feld« (Bourdieu) im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern rekonstruiert werden, dem die drei signifikanten Bereiche »Heilung und Heil«, »Ökologie und Spiritualität« sowie »Kunsthandwerk und spirituelle Kunst« zuzurechnen sind. Dieses Feld konstituiert und organisiert sich als soziale Praxis über netzwerk- und marktförmige Gestaltungen der Vergemeinschaftungen und Vergesellschaftungen und »Märkte des Besonderen«. Diese Märkte und die zugehörigen Instanzen der Urteils- und Vertrauensbildung können auch religiöse Kommunikationen eröffnen, stabilisieren oder verstärken. Religionshybride Dienstleistungen und symbolisch aufgeladene Artefakte werden dabei als »singuläre Produkte« gehandelt, die einer externen Bewertung bedürfen. 

Glauben und Vertrauen sorgen hier für Vorhersehbarkeit und die Möglichkeit eines kontinuierlichen Austauschs. Diese besonderen (Markt-)Mechanismen wurzeln in symbolischen Systemen, die Wissen und Überzeugung verbinden. Als Instanzen der Urteils- und Vertrauensbildung repräsentieren bestimmte Netzwerke und Expert(inn)en die sozialen und kulturellen Möglichkeitsbedingungen solcher spezifischen »Märkte des Besonderen«. 

Durch diesen Zugriff werden Beschränkungen (neo-)klassischer, ökonomischer Marktvorstellungen transformiert und überwunden. Um diese Austauschprozesse erfassen zu können, soll hier neben religionssoziologischen Ansätzen (H. Hervieu-Léger) vor allem auf neuere wirtschaftssoziologische Konzepte (L. Karpik) zurückgegriffen werden. Neben Fragen nach den „äußeren“ Struktur- und Stabilitätsbedingungen von Instanzen der Urteils- und Vertrauensbildung ergeben sich in religionswissenschaftlicher Perspektive weiterführende Fragestellungen zur internen Strukturierung dieses erweiterten religiösen Felds, die in den drei genannten Bereich mithilfe netzwerkanalytischer Methoden sowie mithilfe leitfadengestützter Interviews und teilnehmender Beobachtungen untersucht werden sollen.

Märkte des Besonderen: Die Forschergruppe besteht aus Mitarbeitern der Theologischen Fakultät und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) über einen Zeitraum von zunächst drei Jahren.

Wohnen in der beschleunigten Moderne? Ambivalenz(en) zwischen Zentrum und Peripherie.

Kurzfassung:

Das Forschungsvorhaben fragt nach dem Wandel von städtischem und ländlichem Wohnen angesichts einer flexibilisierten bzw. beschleunigten Moderne. Wir hinterfragen das bislang eher statische sozialwissenschaftliche Verständnis von Wohnen (Wohnsitz, Ortsbindung etc.) und analysieren das Spannungsverhältnis vereinfachender Deutungen einer Polarisierung in flexible, ihre BewohnerInnen mobilisierende, moderne Zentren auf der einen und rückständige, von sesshaften und immobilen Menschen bewohnte, periphere Räume auf der anderen Seite.

Projektbeschreibung:

Die mit der Modernisierung verbundenen Prozesse der Beschleunigung, Flexibilisierung und Mobilisierung scheinen Stadt und Land nicht gleichermaßen zu betreffen. So wird von wachsenden, wirtschaftlich starken urbanen Zentren gesprochen, die in besonderem Maße von den Vorteilen der beschleunigten Moderne profitieren und immer aufregender und vielseitiger werden. Auf der Kehrseite der Medaille finden sich strukturschwache Regionen, die mit Problemen wie Bevölkerungsrückgang durch Alterung und selektiver Abwanderung konfrontiert sind. Die Wohnsituation kennzeichnet sich auf der strukturellen Ebene entsprechend dieser Entwicklungen durch Wohnungsknappheit, steigende Mietpreise und Verdrängungsprozesse in den Zentren einerseits sowie Wohnungsleerstand und Verfall des Baubestandes in der Peripherie anderseits. Auf der symbolischen Ebene wird bei der Analyse solcher Gegensätze oftmals mit der Stadt eine hohe Dynamik, mit den ländlichen Lebensstilen hingegen Stillstand assoziiert: urbanem Wohnen wird Veränderung, Mobilität und Flexibilität zugeschrieben, ländliches Wohnen als Stabilität, Sesshaftigkeit und Beständigkeit gedeutet. Diese Differenzierung bzw. Gegenüberstellung von Zentrum und Peripherie lässt die grundlegende Frage aufkommen, woran sie theoretisch vorgenommen wird und welche Konsequenzen daraus erwachsenen. So sind „periphere“ Regionen nicht zwangsläufig auch räumlich am Rande. Vielmehr können sie als abgekoppelt von der Entwicklung innovativer und wissensintensiver Ökonomien, mit nur noch ausgedünnter Infrastruktur und Verkehrsverbindung sowie am Rande ökonomischer politischer Machtpotentiale charakterisiert werden (Klärner et al. 2014). Aus der Abkopplung von den Zentren erwachsen jeweils spezifische Problemlagen, aber auch entsprechende Bewältigungsstrategien. Die Annahme des Stillstands auf dem Land steht damit der Formulierung eines erhöhten Handlungsdrucks in Anbetracht des gesellschaftlichen Wandels entgegen. Welche Dynamiken jenseits der schillernden Beschleunigungsszenarien in den Großstädten daraus erwachsen, ist weitgehend unerforscht. Wir gehen davon aus, dass gesellschaftliche Modernisierungsprozesse sowohl auf die Zentren des urbanen Lebens als auch auf die peripheren Regionen weitreichende Auswirkungen haben. Zu den Flexibilitätsanforderungen der beschleunigten bzw. verflüssigten Moderne gehört eine erhöhte Mobilitätsbereitschaft, so beispielsweise die Bereitschaft für den Beruf den Wohnort auch wiederholt zu wechseln. Die Beschleunigung als Dynamisierung der Lebensverhältnisse betrifft dabei die Individuen in durchaus unterschiedlichem Maße; sie ist abhängig von den Ressourcen, deren Verfügbarkeit die negativen Folgen zumindest abzufedern vermögen, deren Fehlen hingegen nicht selten in prekarisierten Lebenslagen münden (vgl. Klärner/Knabe 2016). Hinsichtlich der Entwicklung zentrumsnaher städtischer Wohnquartiere wird zum Beispiel die Frage diskutiert, ob diese als Transiträume im Sinne von Nicht-Orten (vgl. Klärner et al. 2016a) zu verstehen sind. Ansatzpunkt ist dabei die hohe Fluktuation in beliebten Stadtvierteln, die den Schluss nahelegt, diese seien reine „Durchgangsstationen“ für die BewohnerInnen während einer zeitlich stark eingegrenzten biografischen Phase (z.B. Studium). Eine vergleichbare Analyse ländlicher Wohnquartiere ist uns nicht bekannt – wir wissen zu wenig über die Wohnbiographien der Landbevölkerung.

Aus diesem Grund werden folgende erkenntnisleitende Fragen formuliert, die im Rahmen zweier Dissertationen bearbeitet werden sollen:

  1. Wie wird sozialer Wandel in Zentrum und Peripherie erfahren? Wie sind diese Veränderungen theoretisierbar?
  2. Auf welche Weise verändern sich die Ortsbezüge der BewohnerInnen unter dem Eindruck des Wandels?
  3. Wie positionieren sich die BewohnerInnen dieser Regionen zueinander? (Welche Milieulagerungen sind erkennbar? Verändern sich diese?)
  4. Wie stehen sich die individuellen und die gesellschaftlichen Deutungen in möglichen Deutungsmachtkonflikten über den ländlichen Raum gegenüber?

Den gemeinsamen Gegenstandsbereich der beiden Promotionsvorhaben bilden die oben skizzierte Gegenüberstellung zwischen städtischem und ländlichem Wohnen vor dem Hintergrund fortschreitender gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse sowie die damit verbundenen Herstellungsleistungen von Ortbezügen der BewohnerInnen. Die Rekonstruktion der Ortsbezüge greift die modernisierungstheoretische Grundannahme eines Bedeutungsverlustes von Raum als relevante Kategorie in den Geistes- und Sozialwissenschaften auf, die mit den Entwicklungen von Mobilitäts- und Kommunikationstechnologien und den damit verbundenen Möglichkeiten sich jederzeit zwischen Orten bewegen und ortsungebunden kommunizieren zu können, begründet wird. Anknüpfend an ein relationales Raum-Verständnis werden bei der Herstellung von Ortsbezügen sowohl physisch-materielle als auch sozialräumliche Aspekte berücksichtigt, dementsprechend leiten sich die Schwerpunkte des Projektvorhabens ab:

Erstens soll die Aneignung und Deutung der materiellen Umwelt untersucht werden, z.B. anhand des Verhältnisses zwischen Handeln und baulichen Strukturen. Aneignung als Prozess meint hierbei ein In-Beziehung-treten zur physisch-materiellen Umwelt, wobei sowohl das aneignende Subjekt als auch das anzueignende Objekt eine Transformation erfahren. Leitend ist hierbei die Annahme, dass für das Errichten von Ortsbezügen bestimmte Raumqualitäten ausschlaggebend sind und diese auch jenseits gesellschaftlicher Deutungen (z.B. Mangelsituationen in peripheren Quartieren) auf individueller Ebene wirkmächtig werden. Mit zu denken ist hierbei ebenso die Beziehung, also die Relation, zu anderen BewohnerInnen des Quartiers sowie über dessen Grenzen hinaus, sei es in der Relation zu anderen peripheren Wohnquartieren oder aber einem möglichen Zentrum als Bezugspunkt. Gefragt wird nach der Transformation von Deutungen der dinglich-materiellen Umwelt durch ihre BewohnerInnen im Zuge von Modernisierungsprozessen.

Die sozialräumliche Verortung der BewohnerInnen stellt den zweiten Schwerpunkt dar, indem wir Wohnen als in den sozialen Kontext eingebettete Praxen in Form von Selbstdeutungen des Wohnens betrachten. Nachgegangen wird der These, dass das In-Beziehung-treten mit dem sozialen Gefüge nicht nur im urbanen Raum, sondern ebenso in ländlichen Regionen Modernisierungsprozessen (Beschleunigung/ Entfremdung) unterliegt und somit auch die Ausgestaltung desselben beeinflusst. So ist z.B. anzunehmen, dass nachbarschaftliche Anonymität nicht mehr nur vorwiegend in urbanen Räumen auszumachen ist. Gleichsam sind die sozialen Beziehungen auch als eine Verortung in Gesellschaft (Milieu/ Netzwerk/ Gemeinschaft) zu verstehen, die sich wiederum auf das physisch-materielle Raumhandeln, z.B. der Präferenz von bestimmten Architekturen, auswirkt. Beide Schwerpunkte sind nicht losgelöst voneinander abzubilden, sondern greifen in der Raumkonstitution wechselseitig ineinander.

Methodischer Ansatz:

Die inhaltliche Zielstellung des Vorhabens erfordert ein qualitatives Forschungsdesign. Problemzentrierte, narrative Interviews zur Wohnbiografie und den Aushandlungen mit der Wohnumgebung bilden die empirische Basis. Wir betrachten Wohnen im Kontext der Lebensführung als sinnorientierte Tätigkeit, die über das Errichten lebensweltlicher Sinnbezüge erfahr-, und durch die Rekonstruktion dieser Sinnbezüge, analysierbar wird. Relevantes Raum-Wissen kann nicht einfach abgefragt werden, sondern soll mit einem wissenssoziologisch fundierten Instrumentarium und der Fokussierung einer sinnrekonstruierenden Empirie – einer am Wie orientierten Analyse räumlicher Aspekte – erschlossen werden.

Umfang:

  • Zwei Promotionsstipendien

Voraussichtliche Laufzeit:

  • 01.04.2017 - 31.05.2020

Projektleitung:

Finanzierung:

Die Promotionstipendien werden im Rahmen des THEORIA Kurt von Fritz - Wissenschaftsprogramm zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften des Landes Mecklenburg-Vorpommern 2017-2020 mit insgesamt 189.373,80 Euro gefördert.

Stipendien-Ausschreibung:

Abgeschlossene Forschung

Childbearing within Cohabitation.

Research project of Dr. Andreas Klärner in cooperation with Brienna Perelli-Harris, University of Southampton.

Over the past decades, childbearing within cohabitation has risen sharply throughout most of Europe, Australia and the USA. This project aims to study the diffusion of childbearing within cohabitation using several analytic levels and methodological perspectives. We will explore the following questions: 

Trends:

How does fertility differ by union status, and how do these differences change over time? Are there differences by parity, age pattern or timing? How does the decline in marital fertility contribute to the increase in share of nonmarital births?

Explanations:

What are the underlying reasons for increasing childbearing within cohabitation? What has produced variation across countries? How do policies impact and/or respond to childbearing within cohabitation? How do societal-level perceptions of cohabitation, marriage, and childbearing differ across countries?

Life Course Trajectories:

How do the life course trajectories for women who bear children differ by union status? Are women who give birth within cohabitation more likely to experience changes in family structure? Is childbearing within cohabitation associated with future negative social, emotional, or economic outcomes?

To answer these questions, we will use an innovative mixed-methods strategy that:

  • analyses a unique database of harmonised reproductive and union histories 
  • conducts qualitative research on the role of policies and general perspectives on nonmarital childbearing, and 
  • examines the Generations and Gender surveys in comparative perspective

Ultimately, we aim to develop a new theoretical framework for understanding the diffusion of family change. The research will provide insights into whether life course trajectories are diverging, potentially exacerbating social inequality.

Further information is available at: Nonmarital Childbearing Network

Daseinsvorsorge im peripheren ländlichen Raum am Beispiel der Gemeinde Galenbeck.

Ein (studentisches) Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Neu und Prof. Dr. Peter A. Berger unterstützt vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Der (Wohlfahrts-)Staat zieht aus der Förderung von Verkehrs-, Bildungs-, oder Gesundheitsinfrastruktur zurück. Nun sollen die Bürger wieder verstärkt in die Pflicht genommen werden – zivilgesellschaftliches, bürgerschaftliches oder freiwilliges Engagement stehen hoch im Kurs. Wie steht es um das Engagement an der Peripherie – vor dem Hintergrund beschleunigten demographischen Wandels (geringe Fertilität, hohe selektive Wanderung, zunehmende Hochaltrigkeit) und ökonomischen Abkopplungsprozessen? Wer sind die (zukünftigen) Träger zivil- und bürgerschaftlichen Engagements? In welchen Bereichen sind sie engagiert? In wie weit ist dieses Engagement geeignet Peripherisierungsprozesse ländlicher Räume abzufedern und Lebensqualität vor Ort zu erhalten? Welche Vorstellungen haben die Bewohner entlegener ländlicher Räume selbst von ihren Aktivitäten? Im Rahmen einer empirischen Falluntersuchung wird diesen und weiteren Fragen nachgegangen.

Forschungsbericht:

  • Erstellt von Kristina Baade, Peter A. Berger, Martin Buchsteiner, Anne Ewald, Rene Fischer, Diana Fülkell, Sandro Geister, Iris Gruber, Sven Henning, Daniel Holtermann, Hannes Ickert, Christian Kiwall, Stefan Klafehn, Claudia Neu, Stephan Christoph Pilch, Nora Sanne,  Marlen Schröder, Cathleen Soltow, Olaf Tietje, Christian Völkner, Mathias Zuppa. Unterstützt vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Pressestimmen:

  • Zukunftsforschung im Nordosten. Das Beispiel Galenbeck: Was Daseinsvorsorge im ländlichen Raum bedeutet. Von Frank Pergande, in: FAZ vom 02.04.2008, S. 10.
DemoDiff: Demographic Differences in Life-Course Dynamics in Eastern and Western Germany.

ProjektmitarbeiterInnen:

  • Joshua Goldstein, Michaela Kreyenfeld, Heike Trappe, Dirk Konietzka, Christian Schmitt, Andreas Klärner, Sylvia Keim, Rainer Walke, Sonja Bastin, Anne-Kristin Kuhnt, Christine Schnor, Anja Vatterrott 

ProjektpartnerInnen:

  • Johannes Huinink (Universität Bremen), Petra Buhr (Universität Bremen), Dirk Konietzka (TU Braunschweig), André Tatjes (TU Braunschweig)

Beschreibung:

  • "DemoDiff" ist ein Projekt des Forschungsbereichs "Fertilität und Wandel der Familie" am Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels.
  • Im Bereich der Familien bestehen bedeutende Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland fort, deren Ursachen bis heute noch nicht wissenschaftlich befriedigend erforscht sind.
  • Ziel des Projekts "Demographic Differences in Life Course Dynamics in Eastern and Western Germany (DemoDiff)" ist es, diese Forschungslücke zu schließen. Die Unterschiede in den Lebenszielen und Lebensverläufen ost- und westdeutscher Frauen und Männer werden in den Mittelpunkt dieser Studie gestellt.
  • Das Projekt findet in enger Zusammenarbeit zwischen den Universitäten Rostock, Bremen, der TU Braunschweig sowie dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung statt. 
  • Weitere Informationen

Summary:

  • The project focuses on the East-West divide of fertility and family behavior that has persisted in Germany almost 20 years into unification. Data for the project comes from the PAIRFAM-project, which has been supplemented by an oversample of 1400 East Germans.

Description:

  • With the ratification of the Unification Treaty in 1990, the West German institutional setting was implemented in Eastern Germany. The general expectation at that time was that this "institutional transfer" would result into a swift convergence of East German behavior to that of their Western German counterparts. While this is true for many life domains, it does not pertain to family dynamics. Almost 20 years into unification, major East-West difference in fertility and nuptiality patterns have prevailed. Unmarried motherhood is radically more common among women in Eastern Germany than it is in the Western German neighbor. The two regions also differ in terms of maternal employment patterns and gender role attitudes. Furthermore, some differences in first-order and major differences in higher-order fertility are still discernable. The project focuses on this East-West divide of fertility and family behavior.
  • The persisting East-West differences in family and fertility patterns suggest that women and men do not immediately adjust their behavior to new constraints. Rather, attitudes prevail through changes in the economic and institutional constraints. In this sense, then, the East-West divide in demographic behavior is ideal to study the interplay between attitudes, economic constraints, and the institutional context. The demographic development in Eastern Germany is also instructive to gain a deeper understanding of the demographic changes that have occurred in Eastern Europe following the demise of the communist systems. In contrast to studies on other Eastern European countries, Eastern Germany can be directly compared to its German neighbor, a region that is subject to the same legal and political institutions. Distinct from Western Germany, the Eastern German region had been undergoing severe economic upheavals during the immediate years following unification, providing an opportunity to see Eastern Germany as “laboratory case” to study how radical social and economic transformation affects demographic behavior.
  • Unfortunately, many survey data sets no longer oversample Eastern Germans. It has therefore become increasingly difficult to study the East-West divide in demographic behavior. The project fills the gap by supplementing the PAIRFAM-project (a large scale family panel for Germany, see http://www.pairfam.uni-bremen.de) with an oversample of Eastern German respondents from the cohorts 1971-73 and 1981-83.
  • DemoDiff seeks to shed light on various aspects of the East-West divide in demographic behavior such as (1) the institutionalization of partnership, non-marital fertility, living arrangements; (2) fertility and fertility intentions; (3) gender roles, female employment, and men’s parenting; and (4) spatial mobility. Research attention also focuses on fertility and family dynamics of Eastern to Western migrants.
  • Co-operation with Max Planck Institute for Demographic Research.

Staff:

  • Joshua Goldstein, Michaela Kreyenfeld, Heike Trappe, Dirk Konietzka, Christian Schmitt, Andreas Klärner, Sylvia Keim, Rainer Walke, Sonja Bastin, Anne-Kristin Kuhnt, Christine Schnor, Anja Vatterrott.
Gesichter der Armut - Armut in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergrund & Zielsetzung

Ungleichheiten sind in Deutschland in den letzten Jahren angesichts globaler Wirtschafts- und Finanzkrisen größer geworden. Das betrifft sowohl die Verteilung der Bevölkerung in Folge demografischer Veränderungen, aber auch sozio-ökonomische Polarisierungen in prosperierende Zentren und schrumpfende Peripherien. Die Folgen dieser hochdynamischen Umbruchsprozesse sehen wir in materiellen Umverteilungsprozessen sowie in Fragen des Angebots an Beschäftigungsmöglichkeiten.

Doch die Disparitäten ungleicher Entwicklungsdynamiken bleiben nicht auf den großen Maßstab der Bundesrepublik beschränkt. Tatsächlich lassen sich auch in kleinräumlicher Perspektive solche Fragmentierungen zeigen, wo Erfolg und Niedergang in unmittelbarer Nachbarschaft koexistieren. Insofern drängt es sich geradezu auf, mehr als 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung und nach den globalen und inmitten der europäischen Krisen nach den Folgen der Umverteilungsprozesse auch in Mecklenburg-Vorpommern zu forschen.

Die Armut hat viele Gesichter und Namen. Menschen, die sich bei den Tafeln versorgen, Hartz IV beziehen oder aufstocken, im Niedriglohnsektor schlecht bezahlt werden, als Migranten nur mehr das nötigste zum Überleben zu haben. Dazu gehören auch Familien, die vom Kultur- und Bildungsangebot im Land ausgeschlossen sind, die nur eingeschränkt mobil sein können oder nach Jahren unsicherer Beschäftigung im Alter verarmen. 

Auch Altersarmut wird in den nächsten Jahrzehnten möglicherweise wieder zu einem gravierenden sozialen Problem werden. Denn die in den kommenden 15 Jahren ins Rentenalter aufrückenden Alterskohorten werden im Unterschied zu den heutigen Senioren häufig durch unterbrochene Erwerbsbiographien, Arbeitslosigkeit, ABM- und Hartz-IV-Karrieren sowie durch andere Phasen, in denen sie nur wenige oder sogar gar keine Rentenpunkte ansammeln konnten, betroffen sein. Besonders problematisch ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern, weil hier wegen der Abwanderung Jüngerer der Anteil älterer und vom Risiko der Altersarmut bedrohter Person besonders hoch sein dürfte.

Die verschiedenen Dimensionen und „Gesichter“ der Armut sind Gegenstand eines Forschungsprojekts, das im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern (AWO) an den Universitäten Rostock, Greifswald und der Hochschule Neubrandenburg durchgeführt wird.

ProjektmitarbeiterInnen

Publikationen

  • Berger, Peter A.; Klärner, Andreas; Knabe, André; Carnein, Marie; Fischer, Hagen; Prochatzki, Katja; Land, Rainer; Willisch, Andreas; Groth, Ulf; Michels, Kathrin; Weiß, Wolfgang; Corthier, Jochen (2015): Aspekte der Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Forschungsbericht im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern. Schwerin, 298 S. [http://www.awo-mv.de/armutsstudie.html]
  • Berger, Peter A., Andreas Klärner, André Knabe (2015): Armut heute – Armut im Reichtum? in: Peter A. Berger et al., Aspekte der Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Forschungsbericht im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, S. 4-7. [Kurzfassung]
  • Klärner, Andreas, André Knabe, Rainer Land, Peter A.  Berger, unter Mitarbeit von Marie Carnein, Hagen Fischer, Katja Prochatzki und Andreas Willisch (2015): Gesichter der Armut in der Stadt und im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns – Ergebnisse eines qualitativen Forschungsprojekts, in: Peter A. Berger et al., Aspekte der Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Forschungsbericht im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, S. 25-90. [Langfassung]
  • Klärner, Andreas, André Knabe (2016): Soziale Netzwerke als Ressource für den Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit. WSI Mitteilungen 69(5), S. 356-364 [http://www.boeckler.de/wsi-mitteilungen_66369_66381.htm

Vorträge

  • Aspekte der Armut in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Forschungsbericht. Vortrag auf der Kinder- und Jugendarmutskonferenz des Netzwerks gegen Kinderarmut in M-V und des Landesjugendrings M-V, Rostock, 22.10.2016.
  • Dynamische Interaktionen von Netzwerkbeziehungen und Gesundheit bei Langzeitarbeitslosen. Sitzung "Aktuelle Entwicklungen in der Netzwerkforschung" der Sektion Soziologische Netzwerkforschung auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Bamberg, 26.-30.09.2016
  • Soziale Netzwerke als Ressource für soziale Teilhabe? Ergebnisse einer Mixed-Methods-Studie mit von Armut betroffenen Menschen. Ad-hoc-Gruppe: Der Exkludierte Rand der Gesellschaft: Subjektive Potentiale  zur Reintegration über Arbeit. 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Bamberg, 29.09.2016.
  • Expertenanhörung im Sozialausschuss des Landtags Mecklenburg-Vorpommern zum Thema "Armut in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, 06.04.2016.
  • Öffentliche Armut – Armut in der Öffentlichkeit. Vortrag auf einer öffentlichen Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Rostock, 31.03.2016.
  • Soziale Ungleichheit in Mecklenburg-Vorpommern. Vortrag auf dem Sozialkundelehrertag M-V an der Universität Rostock, 15.03.2016.
  • Soziale Ungleichheit in Mecklenburg-Vorpommern. Vortrag in der Vorlesung "Sozialstrukturanalyse der Bundesrepublik Deutschland". Universität Rostock, 07.01.2016.
  • Soziale Netzwerke als Ressource für den Umgang mit den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Vortrag in der Ad-Hoc-Veranstaltung: "Handlungsautonomie und Krisenroutinen in kapitalistischen Marktgesellschaften" beim Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, Innsbruck, 02.10.2015.
  • Ein Armutsbericht für Mecklenburg-Vorpommern. Vorstellung des Berichts auf der Landespressekonferenz Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 17.09.2015.
  • Soziale Ungleichheit in Mecklenburg-Vorpommern. Vortrag im Rahmen der Reihe "Politischer Donnerstag" im Peter-Weiss-Haus in Rostock, 03.09.2015.
  • Armut in Mecklenburg-Vorpommmern. Gastvortrag in der Übung: "Sozialstrukturanalyse der Bundesrepublik Deutschland". Universität Rostock, 08.01.2015.
  • Soziale Netzwerke als Ressource für den Umgang mit den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. Vortrag in der Ad-Hoc-Veranstaltung: "Krisenerfahrung Grundsicherung? Individuelle Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit und Grundsicherungsbezug" auf dem 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Trier, 09.10.2014.
  • "Gesichter der Armut" in Mecklenburg-Vorpommern. Vortrag auf einm Workshop mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Rostock, 12.09.2014.
  • Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Vortrag im Landesausschuss der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 20.09.2014.

Berichterstattung

Mailing-Liste: Rechtsextremismusforschung

Rechtsextremismus ist ein Forschungsgegenstand, der aufgrund seiner Komplexität von einer Vielzahl akademischer Disziplinen bearbeitet wird. Dies bringt leider auch ein gewisses Defizit an interdisziplinärer Kommunikation über aktuelle Forschungsfragen mit sich. Disziplingrenzen erweisen sich oftmals auch als Kommunikationsgrenzen.

Um die bestehenden Grenzen aufzuweichen und interdisziplinäre Kommunikation zu erleichtern, wurde die Mailing-Liste Rechtsextremismusforschung.de im Februar 2004 von einer Gruppe von postgraduierten und promovierten WissenschaftlernInnen unterschiedlicher Herkunftsdisziplinen gegründet.

Mit der Mailing-Liste sollen Informationen, die bislang nur durch persönliche Kontakte oder die mühsame Recherche in einer Vielzahl von Zeitschriften und Internetportalen erreichbar waren, der interessierten wissenschaftlichen Öffentlichkeit gebündelt zugänglich gemacht werden. Wir wollen dazu beitragen, dass eine stärkere Vernetzung und ein besserer Informationsaustausch zwischen den Disziplinen stattfindet.

Durch die interdisziplinäre Ausrichtung der Mailing-Liste wird gewährleistet, dass über die Liste versandte Informationen, Zeitschriftenartikel, Rezensionen oder Tagungsankündigungen ein breiteres Publikum erreichen. Gleichzeitig ist die strikte Begrenzung auf die wissenschaftliche Rechtsextremismusforschung Garant dafür, dass die Mailing-Liste nicht ein weiteres unspezifisches Informationsmedium zum Themenkomplex Rechtsextremismus darstellt.

WWW: http://www.rechtsextremismusforschung.de 

Religionshybride | Kirchbauvereine - Gutshausvereine und alternative Gemeinschaften in M-V.

Gegenstand des Forschungsvorhabens sind religionshybride Ausdrucksgestalten, die sich im Kontext des Phänomenbereichs Kirchbauvereine, Gutshausvereine und alternative Gemeinschaften zeigen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit sich um bestimmte symbolische Orte im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns (Dorfkirchen, Gutshäuser, ehemalige LPG-Anlagen u.a.) eine hybride Kultur religionsaffiner, religionsäquivalenter oder explizit religiöser Szenen performiert.

In den Blick kommen vor allem Formen posttraditionaler Vergemeinschaftung und Vernetzung, alltagsästhetische Formgebungen, Festkultur und "Events" (z.B. Hoffeste), Werthaltungen und Motive. 

Der gemeinsame Gegenstandsbereich soll dabei unter dem mehrperspektivischen Zugriff von Praktischer Theologie, Religionswissenschaft und Soziologie beleuchtet werden. Dieser Gegenstandsbereich wird auf die Muster subjektiver Sinngebungen und die Logik einer gemeinsam geteilten performativen Praxis hin befragt, ohne die Konsistenz einer positiven Religion vorauszusetzen. Zu untersuchen sind dabei religiöse Sinnsichten, die nicht bzw. nicht mehr im Zentrum der kulturellen Wahrnehmung stehen und sich in bestimmte Szenen verlagern bzw. dort neu erwachsen.

WWW: http://www.religionshybride.de 

REPRO: Reproductive Decision-Making in a Macro-Micro Perspective.

Work Package 5: Fertility intentions and behaviours in context: a comparative qualitative approach ...

During the last decades all European countries faced a decline in fertility rates, although at a different pace. Evidence shows that there exists a gap between people's wishes to have children and their actual behaviour. The realization of their wish to have a child may not be completely within their control; they can be impeded by social, economic, cultural, psychological and other circumstances that appear both at the individual and the societal level. The main objective of the REPRO project is to upgrade the existing knowledge and to generate new scientific and policy-oriented knowledge on the factors that drive changes in the birth rates and influence the reproductive decision-making of contemporary Europeans.

Work Package Leader

  • Laura Bernardi
    Max-Planck Institute for Demographic Research
    Konrad-Zuse-Strasse 1
    18057 Rostock
    Germany

Objective:

The main objective of this work package is to understand the development of individuals’ fertility intentions in relation to their partnership and family orientations, their opportunity structure to realise such intentions and the relations of fertility intentions with other aspects of their life course. We will apply content analyses techniques on narrative data collected in different European countries characterized by very diverse fertility patterns (France, eastern and western Germany, various regions in Italy, Poland and Bulgaria).

Description:

  1. Task: We plan to develop an empirically grounded typology of individual orientations and life course contingencies leading to positive, negative or undefined fertility intentions. To this end we will specifically analyze the subset of interviews carried out with childless men and women, paying special attention to the role of gender relations and of intergenerational relations in shaping fertility intentions in the different cultural and social contexts. For most countries we have data collected from both members of a couple and in the Italian and the Polish samples we interviewed mother-daughter dyads. 
  2. Task: We will use the data from individuals with children in order to map life course patterns leading to the realisation of fertility intentions in the different national contexts. Despite rationalizations ex post may play some role in retrospective narratives, qualitative data offer many opportunities to control for them by paying attention to contradictions and the construction of arguments in the narrative. 
  3. Task: We will analyze the narrative data to critically assess the appropriateness of the theory of planned behaviour (TPB) when it is used to compare the determinants of fertility intentions in international perspective. More concretely we will define different ways in which each component of the TPB can be interpreted, propose alternatives to the model if pertinent and confront these results with those derived from the statistical modelling in work package 3. 
  4. Task: We aim at understanding the role played by couples’ social networks in defining and realising fertility intentions, the way in which age norms about parenthood are enforced or relaxed, how late parenthood is constructed and whether a positive image of a childless life emerges. In the German and French sub-sample we have additional data about relevant others and their reciprocal relations; these data allow for an in-depth exploration of social influence on fertility intentions as well as a description of social networks characteristics). 

Our data consists of 452 comparable semi-structured interviews with young men and women of different parities, aged between 20 and 45.  For individuals in these age groups, reproductive choices and their timing are likely to be salient topics. The sampled individuals live in relatively large urban centres where the variation of fertility patterns generally is higher. The sample size is relatively large to guarantee that major variations in the combination of fertility intentions and life course situations are covered in each national context (eastern Germany 43, western Germany 51, France 32, Italy 238, Bulgaria 30 and Poland 48).

We use interpretative content analyses using a systematic thematic-coding approach with the support of the QSR Nvivo software for data handling and data sharing. Data are already collected and available to the research teams in forms of audio files and transcripts in the original language. The interview material explores family representations and orientations in connection with the narrative accounts of individuals union, employment and fertility careers as well as their family history and their current network of relevant others. Each collaborator will analyze his or her country dataset relating fertility intentions/realisations to the following aspects: economic and employment insecurities, gender relations, intergenerational relations, post-materialistic values, social norms on parenthood and child care, social influence within social networks. The interpretation of micro-level specificities at the individual, couple and social networks levels will be linked to the economic, political and sociological literature on the national context and to the outputs of work package 2. 

Deliverables: Scientific Reports

  • Typology of individual orientations and life course contingencies leading to positive, negative or undefined fertility intentions and life course configurations fostering or hampering the realisation of such intentions. 
  • Critical evaluation of the instruments of TPB to predict intentions in relation to reproductive behaviour. 
  • Variation in social norms and practices of social influences in different family and fertility cultures and specific political economies.

WWW: http://www.oeaw.ac.at/vid/repro/ 

Tagung: Lebenslauf - Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheit ...

Die Tagung "Lebenslauf, soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheit" wurde organisiert von den Sektionen "Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse" (Deutsche Gesellschaft für Soziologie, DGS)‚ "Medizin- und Gesundheitssoziologie" (DGS), "Soziologische Netzwerkforschung" (DGS) und der AG 'Medizinsoziologische Theorien' (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie) und findet am 28./29. Mai 2015 an der Universität Rostock statt.

Keynote I

  • Siegfried Geyer (Medizinische Hochschule Hannover): Soziale Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit - wie gehen sie unter die Haut?

Session - Ungleichheit - Erwerbsarbeit und Gesundheit

  • Rasmus Hoffmann, Hannes Kröger (European University Institute, Florenz): Konzepte und Operationalisierung des sozioökonomischen Status für die Untersuchung sozialer Unterschiede in der Gesundheit
  • Rolf Müller, Wolfgang Voges (Universität Bremen): Erhöhtes Krankheitsrisiko durch Hartz IV als Ergebnis ungleicher Erwerbsverläufe
  • Ann-Christin Renneberg (Universität Hamburg): Geundheitliche Ungleichheit bei Müttern - Zur Rolle von Erwerbsarbeit und institutionellen Rahmenbedingungen in Europa
  • Anne Busch-Heizmann, Elke Holst (Universität Hamburg): Auswirkungen von Arbeitsbelastungen und beruflicher Anerkennung auf die Gesundheit: Unterschiede nach der beruflichen Position und nach Geschlecht

Session - Neue Perspektiven: Theorie und Empirie gesundheitlicher Ungleichheit

  • Tilmann Brand, Ingeborg Jahn (Universität Bremen): Intersektionalität als Konzept zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten: Möglichkeiten und Grenzen
  • Dorothea Böhr (Universität Siegen): "Abwarten und Tee trinken?" Erste Ergebnisse aus der HEALSEE Studie zum Einfluss des sozialen Netzwerks auf das Gesundheitsverhalten bei leichten Symptomen
  • Heiko Hoffmann (Evangelische Hochschule Freiburg): Agency und soziale Netzwerke von Menschen mit Borderline-Dagnose
  • Sylke Sallmon (Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Berlin): Sozialräumliche Präsentation einkommensarmer Lebenslagen bei Erwerbsminderung und Pflegebedürftigkeit
  • Judith Kaschowitz, Martina Brandt (TU Dortmund): Gesundheitliche Auswirkungen von Pflege in Europa
  • Katharina Seebaß (Universität Erlangen): Who cares about the care giver? Der Einfluss von informeller Pflege auf das Wohlbefinden der pflegenden Person im familiären Kontext

Session - Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheit

  • Nico Vonneilich (Universität Hamburg): Was können soziale Netzwerke zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen? Aktueller Stand und Forschungslücken
  • Lea Ellwardt (niversität Köln), Theo van Tilburg, Marja Aartsen (Universität Amsterdam): Which types of personal networks relate to survival in late adulthood
  • Jens A. Forkel, Maureen Grimm (Hochschule Neubrandenburg): Solidarität durch Nähe? Soziokulturelle Resilienzfaktoren in dörflichen Gemeinschaften
  • Irene Moor, (MLU), Vincent Lorant (UCLouvain, Brussels) Katharina Rathmann, Timo-Kolja Pförtner, Anton E. Kunst, Matthias Richter (MLU), SILNE group: Das Rauchverhalten im Jugendalter: Eine soziale Netzwerkanalyse in 6 europäischen Ländern

Keynote II

  • Hannes Kröger, Rasmus Hoffmann (European University Intitute, Florenz): Ein Schema zur Evaluation von Theorien gesundheitlicher Ungleichheit im Lebenslauf und deren empirisch-methodischen Umsetzung

Session - Sozioökonomische Aspekte von Gesundheit

  • Hilke Brockmann (Jacobs University Bremen): How to manage your cancer to avoid household decline? A European comparison of social inequalities among the population with cancer
  • Johannes Stauder, Tom Kossow (Universität Heidelberg): Krankenversicherung und gesundheitliche Ungleichheit: Warum sind Privat-Versicherte gesünder?
  • Andreas Klocke, Sven Stadtmüller (Frankfurt University of Applied Science): Soziales Kapital und Gesundheitsverhalten im Kindes- und Jugendalter

Session - Lebensverlaufperspektive gesundheitlicher Ungleichheit

  • Sebastian Günther, Irene Moor, Matthias Richter (MLU): Die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten im Erwachsenenalter - Eine Lebenslaufperspektive mit Daten des SOEP
  • Christine Hagen (Deutsches Zentrum für Altersfragen), Ralf K. Himmelreicher (FU Berlin): Nivellieren psychische Erkrankungen sozialstrukturelle Unterschiede bei Übergängen in Erwerbsminderungsrente?
  • Janina Söhn (Universität Göttingen), Tatjana Mika (Deutsche Rentenversicherung): Krankheit und soziale Ungleichheit im Lebenslauf: das Risiko einer Erwerbsminderung und seine erwerbsbiographische Vorgeschichten
  • Manuela Pfinder (BIPS): Effect of Maternal Educational Level on Offspring's Educational Attainment: Role of Prenatal Exposures
Wohnortnahe Grundversorgung und Bürgerpartizipation. Ein Praxisbeispiel aus M-V.

Ein (studentisches) Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Neu und Prof. Dr. Peter A. Berger unterstützt vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Forschungsbericht:

  • Erstellt von Steffen Bitterling, Christian Jakobs, Mathias Frick, Daniel Holtermann,  Anne-Kathrin Hoklas, Sarah Holl, Hannes Ickert, Tom Kattenberg, Stefan Klafehn,  Claudia Kohagen, Janine Lange, Claudia Neu, Manuela Schicka,  Marlen Schröder, Stefanie Viegerske. Unterstützt durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern.

Pressestimmen & Medienreaktionen:

  • Klaus Brill: Gemeinsam gegen den Niedergang. Engagierte Bürger kämpfen für die Wiederbelebung fast verlassener Dörfer – mit oft erstaunlichem Erfolg (Süddeutsche Zeitung, Nr. 127 vom 7. Juni 2010, S. 5)
  • "Wenn auch der letzte Händler den Ort verlässt" (Norddeutsche Neue Nachrichten, 25. Februar 2010, S. 3)

Die öffentliche Finanznot hat - mitbedingt durch eine schrumpfende und alternde Bevölkerung - in vielen Gemeinden Nordostdeutschland bereits dazu geführt, dass Lücken in der wohnortnahen Grundversorgung (Lebensmittel, Post, Banken) entstanden sind. Darüber hinaus erschwert ein eingeschränkter ÖPNV für Bürger ohne PKW den Zugang zu überregionalen Verkehrsanbindungen, qualitativ hochwertigen Dienstleistungen, Fachärzten oder Amts- und Kreisverwaltung. Bisher wird versucht diese Engpässe über familiale Unterstützungsleistungen oder Nachbarschaftshilfe abzufedern.

Für eine schnell alternde ländliche Bevölkerung mit einem steigenden Anteil (immobiler) Hochbetagter, die nicht mehr ohne weiteres auf ihre (abgewanderten) Kinder und Enkel rechnen dürfen, lässt sich die zukünftige Versorgung unter gegebenen Umständen als prekär beschreiben. Die Studie zur "Daseinsvorsorge im peripheren ländlichen Raum" (2007) hat am Beispiel der Gemeinde Galenbeck aufzeigen können, dass die befragten Bürger bereits heute neben der Aufrechterhaltung des ÖPNV eine verbesserte wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs für notwenig halten.

Auffällig war in der Gemeinde nicht nur eine Grundversorgung auf niedrigstem Niveau, sondern im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt auch ein schwach ausgeprägtes bürgerschaftliches Engagement. Die geringe öffentliche Beteiligung der Bürger lässt sich nicht zuletzt auf die Reduzierung von sozialer und kultureller Infrastruktur ("soziale Orte") zurückführen. Gibt es keine öffentlichen Räume mehr wie Dorfläden oder Postfilialen, sind Schulen und Kirchen geschlossen, dann erlischt öffentliche Kommunikation und Teilhabe zusehends.

Es ist einen Versuch wert, zu überprüfen, ob ein "Dorfladen" in Galenbeck, der den Verkauf von Lebensmitteln mit weiteren Dienstleistungen (Post, Bank, E-Government) verbindet, nicht nur die Grundversorgung aufwertet, sondern auch Engagement und Öffentlichkeit generiert. Wie eine solche – mulifunktional ausgerichtete – Nahversorgung vor Ort organisiert sein müsste, konnte im Rahmen der Galenbeck-Studie nicht erhoben werden. Ziel einer Nachfolgeuntersuchung sollte es sein, zu analysieren, wie genau der Bedarf an Produkten und Dienstleistungen der einzelnen Bevölkerungsgruppen (Familien mit Kindern, Haushalte mit Pflegebedürftigen, Berufstätige ohne zu versorgende Personen, junge Senioren, Hochbetagte) aussieht, um eine entsprechende Auslastung eines solchen Dorfladens zu gewährleisten. Darüber hinaus muss beachtet werden, ob und wie die mobilen Händler und Dienstleistungen vor Ort in ein neu entstehendes Dorfzentrum zu integrieren sind, damit bestehende Unternehmungen nicht gefährdet werden. Gleichzeitig sollte abgefragt werden, inwieweit die Bürger bereit sind, sich in Form von Zeit und Geld für "ihren" Laden zu engagieren. Denn ein Dorfladen für den sich niemand zuständig fühlt oder den keiner nutzt, macht keinen Sinn.

Methodische Ansätze:

  1. Haushaltsbefragung (Vollerhebung, face-to-face) zu Dienstleistungsbedarf, Akzeptanz und Engagementbereitschaft, Befragung der (mobilen) Dienstleister vor Ort
  2. Teilnehmende Beobachtung von mindestens 10 Haushalten (Beobachtung der Tagesabläufe von je zwei Haushalten mit Kindern, Haushalte mit Pflegebedürftigen, Erwerbstätigen-Haushalten ohne zu versorgende Personen, jungen Senioren, Hochbetagten, jeweils 3-4 Tage) mit der Methode des Service Design. Die Methode des Service Design ermöglicht es, Ausgestaltung und Funktionalität von Dienstleistungen aus der Perspektive der (zukünftigen) Kunden zu überprüfen und innovative Dienstleistungen zu entwickeln. Konkret bedeutet dies: Wie muss der Dorfladen gestaltet sein (Angebot, Öffnungszeiten), um für die Galenbecker Bürger attraktiv zu sein?

Zeitraum:

  • 09/2008 - 06/2009